Der Weg der Bande

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Traditionelle Männlichkeit gilt in der modernen Welt als überholt. Es liegt aber weiterhin in der Natur des Mannes, andere Männer anhand kämpferischer Tugenden zu bewerten. Es gehört zu den elementaren evolutionären Aufgaben der Männer, in Gruppen das Revier zu verteidigen und eine Kultur zu etablieren, die Kraft, Mut und Ehre fördert und gleichzeitig die genuin andersartige Rolle der Frau würdigt.

Männlichkeit und Weiblichkeit sind komplementäre Gegensätze. Männer haben spezifische Interessen, die sich von denen der Frauen unterscheiden. Männlichkeit definiert sich deshalb weniger über das Verhältnis zu Frauen, sondern vielmehr über die Reputation eines Mannes innerhalb einer Gruppe anderer Männer. Frauen begehren wiederum automatisch diejenigen Männer, welche hohes Ansehen unter ihren männlichen Kameraden genießen. Aufgrund grundlegender biologischer Unterschiede hat sich als Überlebensstrategie eine geschlechtliche Aufgabenteilung entwickelt, nach der Männer für Jagd und Kampf zuständig sind. Infolgedessen sind sie das körperlich kräftigere und risikobereitere Geschlecht.

Die meiste Zeit der Geschichte haben Männer in kleinen Gruppen miteinander kooperiert, um sich gegen andere Männer und feindliche Umweltfaktoren zu verteidigen. Diese soziale Urgruppe oder Bande bildet noch heute die Essenz der männlichen Psyche. Der Urzustand jenseits der Zivilisation ist folglich kein Krieg von Einzelgängern, wie von Thomas Hobbes theoretisiert, sondern ein Krieg rivalisierender Gruppen. Gemeinschaften erhöhen die Überlebenschancen des Individuums, indem sie stabile Einheiten bilden. Zwischenmenschliche Bindungen und Zusammenhalt sind umso stärker, je kleiner die Gemeinschaft ist. Der Mensch ist evolutionär darauf angelegt, etwa 150 Beziehungen gleichzeitig aufrechtzuerhalten. Ein Vergleich mit militärischen Einheiten zeigt, dass dies grob der Größe einer Kompanie entspricht. Die stärkste Loyalität und Kameradschaft unter Männern findet man in den kleinsten Einheiten wie der Gruppe oder des Trupps. Dieser archetypischen Bandenstärke von zwei bis zwölf Mann begegnet man ebenfalls bei Sportmannschaften und in der Mythologie.

Neben dem starken Zusammenhalt entwickeln Banden dieser Größe eigene Verhaltenskodizes und Erkennungsmerkmale. Sie bilden die kleinste gemeinsame Einheit, die im Überlebenskampf ein Revier beansprucht und Ressourcen und Frauen vor anderen Männergruppen verteidigt. Der Kampf rivalisierender Banden ist die Ursituation der Männer. Diejenigen Männer, die das Revier nach außen absichern und verteidigen, müssen in besonderem Maße männliche Kriterien erfüllen. In zivilisierten Gesellschaften leben jedoch fast alle Männer innerhalb des Reviers, wo kämpferische Tugenden mit steigendem Wohlstand und Komfort an Bedeutung verlieren.

Männer bewundern aber nach wie vor aneinander Fähigkeiten, die im Ernstfall gebraucht werden. Da geschlechtliches Identitätsbewusstsein zunehmend verloren geht, muss man Männlichkeit wieder auf seinen ursprünglichen, evolutionären Kern reduzieren, um die wahren Bedürfnisse von Männern zu ergründen.

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