Die männlichen Tugenden

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Männliche Tugenden erwachsen aus einem kämpferischen Ethos. Die vier Tugenden, die im Kampf von Nutzen sind, sind Kraft, Mut, Kompetenz und Ehre. Ihr Zweck ist die Sicherung des Überlebens der Gruppe. Als Primärtugenden stehen sie deshalb jenseits der Moral. Höhere moralische Werte werden durch sie erst nachrangig ermöglicht.

Indem Männer diese vier Tugenden anstreben, wetteifern sie um Respekt und Status innerhalb ihrer Gruppe. Die innere Rivalität weicht dann dem Zusammenhalt, wenn die Fähigkeiten der Gruppe gegen einen äußeren Feind gebündelt werden müssen. Männliche Tugenden bewegen sich folglich entlang der Konfliktebene aus Kampf und Kooperation.

Kraft als die primäre Tugend ist ein beständiges biologisches Merkmal, dass Männer in Abgrenzung zu Frauen definiert. In allen Kulturen wird Männlichkeit mit Kraft und Muskelmasse assoziiert, auch wenn die Bedeutung der Körperkraft mit dem technologischen Entwicklungsstand einer Gesellschaft variiert. Die männliche Oberkörperstärke hat sich evolutionär durch Kampf entwickelt. Für die archaische Bande war physische Kraft von primärer Bedeutung, um zu siegen und zu überleben. Gleichzeitig legten Männer durch Kraft die Rangordnung innerhalb ihrer Bande fest.

Kraft ist die Fähigkeit, durch muskulären Druck der Natur und anderen Menschen seinen Willen aufzuzwingen und ermöglicht dadurch alle anderen Werte erst. Sie ist die physische Ausprägung von Macht. Sie ermöglicht es gleichermaßen, Dinge in Bewegung zu versetzen sowie Standhaftigkeit und Durchhaltevermögen zu beweisen. Um ein nutzbringendes Potenzial entfalten zu können, muss sie trainiert und permanent unter Beweis gestellt werden.

Mut ist hingegen weniger körperbezogen. Um Kraft auch im Ernstfall anzuwenden, muss man Mut aufbringen. Mut ist die aktive Handlung, sich angesichts eines Risikos bewusst in Gefahr zu begeben. Größere Gefahr bedarf dabei umso größeren Mutes. Aristoteles wie auch die Römer identifizierten Mut vor allem im militärischen Kontext. Tapferkeit und Männlichkeit standen gleichermaßen für den heroischen Willen, das eigene Leben im Kampf zum Wohl der Gruppe zu riskieren. Dies galt gleichzeitig als größter Loyalitätsbeweis.

Gegenwärtig wird Mut eher inflationär verwendet oder mit leichtsinnigem Draufgängertum verwechselt. Mut bezeichnet jedoch nicht nur rohe Kampfeslust, sondern in seiner zivilisierten Form auch Durchhaltevermögen und die Bereitschaft zur Verteidigung. Heroischer Mut ist die Basis zahlreicher fiktionaler Abenteuer von Helden, die auch nach Rückschlägen wieder aufstanden.

Mut ist für Männer essenzieller als für Frauen, da er stark mit der Bereitschaft zum Risiko verbunden ist und Männer im Durchschnitt risikofreudiger sind. Gleichzeitig hängt der soziale Status eines Mannes von seiner Bereitschaft zum Kampf ab. Der soziale Wert einer Frau bemisst sich nach anderen Kriterien. Der Mut zu Konfrontation und Konkurrenz führt zum Aufstieg innerhalb der Gruppe und bietet ihr gleichzeitig einen Überlebensvorteil. Kraft und Mut ergänzen sich, wenn sie in ein ausgewogenes Verhältnis gebracht werden.

Kompetenz ist die Fähigkeit, technische Fertigkeiten und den eigenen Verstand zu benutzen, um die Umwelt zu beherrschen. Kompetenz gründet sich auf Intellekt, strategischem Können und Unabhängigkeit.

Männer müssen mehr als Frauen dazu im Stande sein, ihre eigene Last zu tragen und Selbstständigkeit unter Beweis zu stellen. Frauen benötigen besonders während der Schwangerschaft die Unterstützung der Gemeinschaft, wodurch sie auch weniger Probleme damit haben, sich auf den Sozialstaat zu verlassen. Männer hingegen werden nach ihrem Nutzen als Versorger bewertet und eine Gesellschaft hält ungern einen gesunden unselbstständigen Mann aus, welcher nichts beiträgt. Er gilt dadurch als inkompetentes Mitglied der Gemeinschaft.

Abhängigkeit und Bedürftigkeit verringern das männliche Selbstwertgefühl und resultieren in Machtlosigkeit. Ein ausufernder Sozialstaat ist folglich hinderlich für männliche Tugenden. Doch auch vollständiger Individualismus ist illusorisch. Erstrebenswert ist die richtige Balance zwischen kompetenter Selbstverantwortung und nutzbringender Kooperation mit Kameraden innerhalb der Gruppe.

Die Definition der Ehre hängt maßgeblich von den anderen drei maskulinen Tugenden ab. Ehre erwächst aus dem aktiven Bemühen um Kraft, Mut und Kompetenz, um von seinen männlichen Kameraden respektiert zu werden und in der Rangordnung aufzusteigen. Ehre setzt somit eine Ehrgruppe mit gemeinsamer Identität und Wertordnung voraus. Thomas Hobbes verstand Ehre als die Anerkennung von Macht. Macht entspringt immer auch der Fähigkeit zur Gewaltanwendung. Reflexhafte Ehre resultiert daher aus der Bereitschaft zur Verteidigung und Vergeltung.

Moderne Soziologen erklären das starke Ehrbewusstsein von Männerbanden meist nur durch kulturelle Faktoren und ignorieren dabei die taktische Bedeutung der Ehre im Überlebensszenario. Durch das Bemühen um die Reputation innerhalb seiner Bande kultiviert ein Mann die überlebensnotwendigen maskulinen Tugenden und beweist Loyalität. Von anderen Männern geehrt zu werden, bildet den Kern des männlichen Selbstwertgefühls. Ehre ist hierarchisch definiert, da man sich Wertschätzung erst durch Leistung verdienen muss. Männer bezeugen sich durch Ehre ihren Wert, indem sie sich gegenseitig in ihrem Rang anerkennen und den Rat ihrer Kameraden befolgen.

Unehrenhaftigkeit gleicht einem Mangel an Männlichkeit. Sie äußert sich in der bewusst zur Schau gestellten Missachtung der drei männlichen Tugenden und Illoyalität den Kameraden gegenüber. Sie gefährdet die Gruppe, da nach außen Schwäche gezeigt wird. Unmännliches Verhalten wird von anderen Männern als Unterwürfigkeit wahrgenommen und korreliert mit einem sozial niedrigeren Status. Aus diesem Umstand erklärt sich die instinktive Abneigung, die einige Männer gegenüber als zu verweiblicht empfundene Geschlechtsgenossen und öffentlich ausgelebter Homosexualität hegen.

Gegenwärtig schwinden die Möglichkeiten für Männer, sich Kraft, Mut und Kompetenz anzueignen und unter Beweis zu stellen. Maskuline Tugenden sind aber von elementarer Bedeutung, sobald die Sicherheit der Zivilisation nicht mehr gegeben ist. Perfekte Männlichkeit im Sinne einer vollständigen Meisterung aller Tugenden ist ein unerreichbares, aber stets anzustrebendes Ideal.

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