Die Geschichte Roms steht exemplarisch dafür, wie eine Bande aus Männern ihre Kraft und Willensstärke einsetzt, um eine Zivilisation zu errichten. Die sagenhafte Gruppe um Romulus und Remus schuf eine neue Kultur und verteidigte sie vor äußeren Bedrohungen. Mit steigendem Zivilisationsgrad erweiterte sich auch das römische Verständnis von Männlichkeit zunehmend um ethische Tugenden und das männliche Gewaltpotenzial wurde mit Gladiatorenkämpfen zur Unterhaltung substituiert. Schließlich versank das römische Reich in Dekadenz und zerfiel von innen heraus.
Die Moderne ist aufgrund der technologischen Entwicklungen so weit fortgeschritten, dass die virilen Tugenden, die einst Zivilisationen errichteten, immer weniger gebraucht werden. Die Evolutionspsychologie zeigt, dass der menschliche Geist aber noch immer an die Bedingungen des archaischen Überlebenskampfes angepasst ist. Männliches Gruppenverhalten gleicht nach wie vor dem der Stammesgesellschaft, da darin über einen langen Zeitraum die Überlebensstrategie unserer Spezies bestand. Der Konflikt der Banden verlieh Männern eine wichtige Aufgabe und Sinn im Leben. Männer, die nicht kämpfen, suchen daher nach Ersatztätigkeiten, um primitive Energien in Zeiten des Friedens zu kanalisieren. Das geschieht etwa durch Boxen, Ringen oder Sparring unter Freunden. Der männliche Urinstinkt kann ebenfalls durch die Eroberung der Natur und körperlich fordernde Arbeit sinnstiftend befriedigt werden.
Wenn Männer sich stark mit der Gemeinschaft identifizieren, werden sie ihre Energien in den Dienst dieser Gemeinschaft stellen und um ihren Erhalt kämpfen. Substitute für die ursprüngliche Bandenmännlichkeit in Form von Militär- oder Polizeidienst, sportlichem, ideologischem und politischem Kampf, intellektuellem Wettstreit sowie auch indirekt erfahrbare Männlichkeit durch fiktive Geschichten sind Bestandteil jeder Zivilisation. Männlichkeit kann also sinnvoll kanalisiert und unterschiedlich erfahrbar gemacht werden. Sie äußert sich in asketischer Selbstdisziplin genauso wie in soldatischer Tapferkeit.
Mit zunehmendem Entwicklungsgrad bietet die Gesellschaft Männern aber immer weniger sinnvolle Möglichkeiten, das zu tun, wofür sie evolutionär bestimmt sind. Anspruchsvolle und gefährliche Arbeit wird durch monotone Bürojobs ersetzt. Der Globalismus macht Menschen, die einst ein sinnstiftendes Handwerk erlernt hätten, zu austauschbaren Arbeitseinheiten. Zudem leisten immer weniger Männer Militärdienst. Die Entwicklung hin zu ausufernden Wohlfahrtsstaaten widerstrebt dem männlichen Urzustand.
Unsere Gesellschaft ist bemüht, Arbeit, Gefahr und Risiko zu reduzieren und hat keine Toleranz für reale Gewalt. Deshalb bedient sie Männer nur mit ungenügenden Ventilen wie Pornographie und Videospielen, die ein falsches Gefühl von Männlichkeit vermitteln, aber die realen Erlebnisse nicht ersetzen. Sie dienen dem einzigen Zweck, Männer ihrer Virilität zu berauben und sie zu passiven und kontrollierbaren Konsumenten zu degradieren. Die emotionalen Bedürfnisse von Männern werden so nicht länger erfüllt. Die Zivilisation opfert ein Stück Männlichkeit im Austausch für ein Übermaß an Komfort und Sicherheit. Solange aber noch materieller Wohlstand im Überfluss besteht, werden nur die wenigsten dagegen aufbegehren.