Strategie ist jene Sphäre in der Kriegsführung, die das große Ganze betrifft: die Verbindung einzelner Gefechte mit politischen und militärischen Zielen. Strategie ist kein statischer Plan, sondern ein sich ständig erneuernder Prozess, in dem Kräfte gebündelt, Zeitpunkte gewählt und Räume beherrscht werden. Ihr Wesen besteht darin, Handlungen sinnvoll zu verknüpfen, um ein übergeordnetes Ziel zu erreichen. Im Gegensatz dazu steht die eher feingliedrige Taktik. Sie beschreibt etwa das Vorgehen in einer konkreten Gefechtssituation. Eine Strategie kann aus der Anwendung zahlreicher Taktiken zu verschiedenen Zeitpunkten und an verschiedenen Kriegsschauplätzen bestehen.
Ausgangspunkt der Strategie müssen stets die real vorliegenden Bedingungen sein. Zu den Elementen, die in strategischen Entscheidungen mitwirken, gehören materielle Faktoren wie Truppenstärke oder Gelände, aber auch immaterielle Einflüsse wie Mut, Angst, Entschlossenheit oder Prestige. Diese „moralischen Größen“ beeinflussen das Verhalten von Armeen oft stärker als Zahlen und Kalküle. Der strategische Raum ist kein leeres Schachbrett, sondern ein Feld voller Spannungen, Unsicherheiten und Dynamiken.
Zentral ist die Rolle des menschlichen Willens. Die kriegerische Tugend – also die Fähigkeit eines Heeres, auch unter Druck geordnet und entschlossen zu handeln – bildet den innersten Kern militärischer Stärke. Disziplin, Kameradschaft und das Vertrauen in die Führung entscheiden über Sieg oder Niederlage. Von besonderer Bedeutung ist dabei die Kühnheit: Sie wirkt wie ein Katalysator, durchbricht lähmende Unentschlossenheit und erzwingt Tempo. Doch Kühnheit ist nicht bloßer Übermut und Waghalsigkeit – sie verlangt kluge Einschätzung und einen klaren Blick für Chancen und Grenzen.
Daneben steht die Beharrlichkeit: das zähe Festhalten am Ziel auch unter widrigen Umständen. Wer vorschnell aufgibt, verschenkt Potenzial. Wer zu stur ist, riskiert sinnlose Verluste. In diesem Spannungsfeld bewegt sich jeder Kommandant.
Hinzu kommt die Überlegenheit der Zahl. Masse zeigt oft Wirkung – aber nur, wenn sie zur richtigen Zeit am richtigen Ort konzentriert wird. Die reine Zahl ist nicht entscheidend, sondern ihre strategische Anwendung.
Überraschung und List spielen in der Strategie eine besondere Rolle. Wer unerwartet handelt, stört die Planung des Gegners und erzeugt Verwirrung. Doch Überraschung ist kein Selbstzweck. Sie muss mit Kraft und Sinn verbunden sein. Gleiches gilt für die List: Sie ersetzt nicht die Schlagkraft, sondern erweitert den Handlungsspielraum.
Wichtiger als einzelne Tricks ist die systematische Konzentration der Kräfte – im Raum wie in der Zeit. Wer seine Mittel sinnvoll bündelt, erreicht punktuelle Durchschlagskraft. Die strategische Reserve, also zurückgehaltene Kräfte, erlaubt Flexibilität und Reaktion auf unvorhergesehene Entwicklungen.
Auch das „Geometrische“ – Linien, Distanzen, Positionen – spielt eine Rolle, verliert aber an Bedeutung gegenüber der psychologischen Dynamik des Krieges. Stillstand kann gefährlich sein, denn er lähmt die Initiative. Krieg ist Bewegung.