Über den Kriegsplan

Dauer: 03:45

Jede militärische Unternehmung braucht ein geistiges Fundament. Dieses ist der Kriegsplan. Während bisher vornehmlich operative und taktische Aspekte beleuchtet wurden, geht es hier um die strategische Gesamtanlage eines Krieges – also um seine politische Herkunft, seinen Zweck und die daraus abgeleitete Form.

Zunächst muss zwischen dem absoluten und dem wirklichen Krieg unterschieden werden. Der absolute Krieg ist ein theoretisches Konstrukt, in dem die Gewaltgrenze aufgehoben scheint und beide Seiten sich bis zur totalen Vernichtung steigern. Der wirkliche Krieg dagegen bleibt stets eingebettet in politische, soziale und wirtschaftliche Zusammenhänge, die seine Intensität begrenzen. Kein Krieg ist Selbstzweck – er ist immer Mittel zur Erreichung eines politischen Ziels.

Aus diesem Zusammenhang ergibt sich der Grundsatz: Der Krieg ist eine Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln. Deshalb kann es keinen Kriegsplan ohne politischen Hintergrund geben. Der militärische Plan muss mit dem politischen Zweck harmonieren. Je größer das Ziel, desto mehr Mittel müssen bereitgestellt werden. Umgekehrt darf ein begrenztes politisches Ziel nicht mit übermäßiger Gewalt verfolgt werden.

Dabei bestehen zwei Grundformen des Kriegsziels: die Niederwerfung des Gegners und das Erreichen eines begrenzten Vorteils. Die Niederwerfung des Gegners verlangt maximale Anstrengung, totale Konzentration der Kräfte und meist mehrere entschiedene Schlachten. Das Erreichen eines begrenzten Vorteils hingegen erlaubt gezielte Operationen mit begrenztem Mitteleinsatz – etwa die Besetzung eines Gebiets oder die Erzwingung günstiger Verhandlungsbedingungen.

Der Kriegsplan muss daher klären: Welches Ziel steht im Mittelpunkt? Welche Mittel stehen zur Verfügung? Welche Risiken sind vertretbar? Und wie flexibel muss das Vorgehen bleiben? Diese Fragen dürfen nicht isoliert militärisch beantwortet werden. Der Kriegsplan ist kein reines Feldherrenkunstwerk – er ist Ausdruck politischer Rationalität. Hier wird die Verbindung von Militär und Politik direkt spürbar.

Zwischen politischem Zweck und militärischem Verlauf besteht eine Wechselwirkung. Der Krieg verändert die Lage ständig – neue Chancen und Bedrohungen entstehen. Ein guter Kriegsplan muss das einkalkulieren und Raum für Anpassung lassen.

Dass der Krieg die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln ist, bedeutet eben auch, dass sowohl Politik als auch der Krieg nicht alleinentscheidend sind. Der Krieg braucht stets einen politischen Zweck und die Politik ist im Ernstfall auf den Krieg angewiesen.

Clausewitz’ Klassiker „Vom Kriege“ liefert dafür keinen starren Bauplan. Den kann es nicht geben, und das ist bereits die erste wichtige Lektion. Der Krieg gehört zum Menschen dazu, genau wie der Frieden und die Diplomatie: alles zu seiner Zeit und alles aus seinem jeweiligen Grund. Der beste Kriegsplan ist im Frieden unangebracht. Eine geniale Strategie ist nicht die militärisch kühnste – sondern die, welche Denken, Zielsetzung und Handlungsfreiheit in einer konkreten Ausgangslage weise miteinander verbindet.

Über den Kriegsplan - Vom Kriege | BlitzWissen