Was trennt Russland vom Westen – und welche Rolle kommt Deutschland zwischen beiden Welten zu? In „Das Doppelantlitz Russlands und die deutschen Ostprobleme“ entwickelt Oswald Spengler seine geschichtsphilosophische Deutung Russlands als einer Kultur im Spannungsfeld zwischen europäischer Überformung und eigener geschichtlicher Identität. Ausgehend von der russischen Revolution untersucht er Bolschewismus, Religion, Staat und das Verhältnis zwischen Russland und Westeuropa. Zugleich fragt Spengler nach den politischen Möglichkeiten Deutschlands im Osten. Der 1922 gehaltene Vortrag verbindet geopolitische Analyse mit Spenglers Theorie der Kulturen und bietet einen prägnanten Einblick in sein Denken über Russland, Europa und die Neuordnung nach dem Ersten Weltkrieg.
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Oswald Arnold Gottfried Spengler (1880–1936) ist besonders für sein Monumentalwerk „Der Untergang des Abendlandes“ bekannt. Er ist der Konservativen Revolution zuzurechnen, die unter anderem mit der liberalen Ausrichtung der Weimarer Republik nicht einverstanden war. Der Geschichtsdenker, Kulturtheoretiker und politische Schriftsteller deutete Kulturen als eigenständige Organismen mit Aufstieg, Blüte und Verfall. Nach dem Ersten Weltkrieg veröffentlichte Spengler zahlreiche politische Schriften, darunter „Preußentum und Sozialismus“ und „Jahre der Entscheidung“. Dem Nationalsozialismus stand er trotz einzelner Überschneidungen zunehmend distanziert gegenüber.
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