Wie manifestiert sich der globale Austausch in unserer Gesellschaft? Das geschieht durch zwei unterschiedliche, aber zusammenwirkende Konzepte. Der kleine und der große Austausch sind die beiden sichtbaren Erscheinungsformen des globalen Austausches. Jede repräsentiert eine spezifische Facette des Phänomens.
Zunächst entspricht der kleine Austausch dem Vergessen unserer Kultur und unserer tausendjährigen Geschichte. Ein Volk dagegen, das seine Klassiker und seine Helden kennt, lässt sich nicht so leicht in die Müllhaufen der Geschichte werfen. Vor diesem Hintergrund versteht man leicht, dass ein Volk, das immer fähig ist, seine Identität zu beanspruchen, kaum nach den Launen der politischen oder ideologischen Mode manipuliert werden kann.
Wäre denn andersherum ein manipuliertes Volk vorstellbar, das seine Ursprünge kennt? Wäre es so einfach, ein gebildetes Volk zu belügen? Die Bewahrung der Identität eines Volkes würde den globalen Austausch daran hindern, sich dauerhaft in einer Gesellschaft zu etablieren. Seine Werte und seine einzigartige historische Art würden verhindern, dass es ausgelöscht und durch andere Werte oder eine andere Geschichte ersetzt wird.
Ein modernes Beispiel für den kleinen Austausch, der leicht zu erkennen ist, ist der Anstieg der Umbenennung von Straßen oder Gymnasien in Frankreich. Diese heißen nun nach den Vorbildern der Schwarzen Nelson Mandela oder Rosa Parks. Die Tendenz, französischen Einrichtungen die Namen ausländischer Persönlichkeiten zu geben, ist ein offensichtliches Symptom für den kleinen Austausch unserer tausendjährigen Geschichte. Der Zusammenhang zwischen der Entwurzelung unserer Geschichte und dem drastischen Rückgang des Bildungsniveaus zieht eine ernüchternde Bilanz über den Zustand der französischen und europäischen Identität.
Dieses weitverbreitete Vergessen unserer Geschichte und Identität degradiert den Menschen zur undifferenzierten Masse. Aber der kleine Austausch hat noch weitere Auswirkungen, die in dem anderen, zweiten Baustein des globalen Austausches enthalten sind.
Das andere wichtige Element des globalen Austausches ist der große Austausch. Er bezieht sich auf den laufenden Bevölkerungsaustausch in den meisten westlichen Ländern, insbesondere in Westeuropa, durch die Masseneinwanderung. Durch sie wandelt sich die Zusammensetzung des französischen Volkes langsam, aber sicher. Deswegen ließe sich der Vorgang auch als „Völkermord durch Austausch“ bezeichnen.
Ein Beispiel für diesen Vorgang bietet die Szene, in welcher Renaud Camus der große Austausch erstmals bewusst geworden ist. Er ging durch ein kleines mittelalterliches Dörfchen im Süden Frankreichs. Die alten Häuser mit ihren dicken schiefen Mauern sind älter noch als Frankreich. Doch wer jetzt darin lebt, lebt aber nach Frankreich: durch ihr gesamtes Verhalten, durch ihre Physiognomie, ihre Kleidung, ihre Sprache und ihre Bewegungen machen sie deutlich, dass sie allem Anschein nach dort nicht hin gehören. Sie sind Teil eines anderen Volkes, mit anderer Kultur und anderer Geschichte. Dasselbe Bild bot sich im nächsten, eigentlich heimeligen und urigen Dorf: Es schien ihm, als hätte Camus die Welt gewechselt, ohne aber räumlich je seine Heimat Frankreich verlassen zu haben.
Szenen wie diese, die inzwischen jedem aus eigener Erfahrung bekannt sind, sind Belege für den laufenden Bevölkerungsaustausch. Dieser ist in der Geschichte Europas ein beispielloses Phänomen; keine der früheren Invasionen des Kontinents hatte eine derartige Auswirkung auf die einheimische europäische Bevölkerung, schon gar nicht in dieser Geschwindigkeit.
Innerhalb einer oder zwei Generationen hat sich das Erscheinungsbild der französischen Bevölkerung tiefgreifend verändert. Doch der größte Teil dieses Phänomens ist die bewusste Blindheit der Medien und der meisten politischen Persönlichkeiten dazu. Auf diese Weise ermöglicht der globale Austausch, vermittelt durch den kleinen Austausch, einem Volk den großen Austausch aufzuzwingen, da seine politischen, finanziellen und medialen Eliten es bereits als ersetzbar betrachten.
Der große Austausch wird von den Eliten organisiert, die diesbezüglich als führende Entscheidungsträger auf nationaler, europäischer oder globaler Ebene agieren. Die Organisation ist jedoch keine Verschwörung, deren planerischer Wille auf den großen Austausch als Endziel gerichtet ist. Im Gegenteil, durch eine Ideologie, die den globalen Austausch als natürliche Entwicklung darstellt – und somit die Existenz des großen Austausches einfach leugnet – fördern ihn die europäischen Eliten eher nebenbei.
Angesichts der globalen Dimension dieses Problems braucht es eine Rückbesinnung der Europäer auf ihre Geschichte. Eine Wiederbelebung, die dem Eigenen nützt, dem Fremden aber nicht schadet; die also auf ihre Weise unschuldig ist. Das französische Wort für „Unschuld“ ist „innoncence“.