Nach der Wiedervereinigung kehrt das Tragische wieder in die Politik zurück: Bocksgesang (griechisch: tragodia) schwillt an. Was hält eine Gesellschaft zusammen, wenn gemeinsame Überlieferungen an Bedeutung verlieren? In seinem Essay Anschwellender Bocksgesang zeichnet Botho Strauß ein düsteres Bild der westlichen Gegenwart: Er kritisiert Vereinzelung, die Macht der Medien und eine Politik, die Geschichte und kulturelle Bindungen aus dem Blick verliert. Als der Text 1993 in gekürzter Form im SPIEGEL erschien, entfachte er im wiedervereinigten Deutschland eine heftige Debatte. Für die einen war er eine notwendige Provokation, für die anderen ein gefährlicher Angriff auf liberale Grundsätze. Der Blitz erschließt Strauß’ Gedanken und ihre Wirkung. Er gibt dieser Blitz zusätzlich das Nachwort wieder, das Strauß ein Jahr später (1994) als Reaktion auf den Skandal verfasste.
Botho Strauß (1944) ist ein deutscher Schriftsteller und Dramatiker. Nach abgebrochenem Studium der Germanistik, Theatergeschichte und Soziologie arbeitete er von 1967 bis 1970 als Journalist und Dramaturg. Seit 1975 ist er freier Schriftsteller. Seine Werke, wie „Groß und klein“ (1978) und „Der junge Mann“ (1984), hatten großen Einfluss auf die deutsche Theaterlandschaft. Mit dem Essay „Anschwellender Bocksgesang“ von 1993 löste er eine kontroverse Debatte aus. Strauß lebt in Berlin und der Uckermark.
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