Das eurasische Schachbrett

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Der Fortbestand der globalen Vormachtstellung der USA hängt unmittelbar davon ab, wie lange sie sich in Eurasien behaupten können. Bis heute geben sie dort als nicht-eurasische, raumfremde Macht den Ton an.

Eine Macht, die Eurasien komplett beherrscht, beherrscht zwei der drei höchstentwickelten und wirtschaftlich produktivsten Regionen der Welt. Hinzu kommt fast automatische die Kontrolle über Afrika. Das Machtpotential Eurasiens das der USA damit weit in den Schatten. Eurasien ist jedoch zu groß, um eine politische Einheit zu bilden. Es ist damit das Schachbrett für den Kampf um die globale Vorherrschaft der Zukunft.

Da die amerikanische Hegemonie maßgeblich auf Einfluss statt auf direkter Herrschaft besteht, verlangt der Einsatz amerikanischer Ressourcen in Eurasien geostrategisches Geschick.

Um seine globale Machtposition zu bewahren, müssen die USA Absprachen zwischen den Vasallen verhindern. Sie müssen ihre Abhängigkeit in Fragen der Sicherheit bewahren, die tributpflichtigen Staaten fügsam halten und schützen. Sie sorgen dafür, dass sich die „Barbaren“-Völker nicht zusammenschließen.

Staaten, die die Kapazität und den nationalen Willen besitzen, über ihre Grenzen hinaus Macht auszuüben, sind dagegen geostrategische Akteure. Beispiele sind Frankreich, Deutschland, Russland, China oder Indien. Großbritannien und Japan haben aktuell keine geopolitischen Ambitionen, auch wenn sie bedeutende Wirtschaftsmächte sind.

Als Teil ihrer globalen Strategie müssen die USA die wichtigsten geopolitischen Dreh- und Angelpunkte Eurasiens beherrschen und schützen. Die Ukraine, Aserbaidschan, Südkorea, die Türkei und der Iran sind solche geopolitischen Dreh- und Angelpunkte. Für die USA ist es also wichtig zu klären, wie sie diese Gebiete im eigenen Interesse gestalten sollte und welche eurasischen Koalitionen in diesem Sinne denkbar, wünschenswert oder auszuschließen sind.

Konkreter geht es um die EU- und NATO-Erweiterung in Mittel- und Osteuropa, die demokratische Zukunft Russlands, die künftige Einflusssphäre Chinas und die Gefahr des Ausschlusses der USA aus Eurasien durch antihegemoniale Bündnisse. Denn Erschütterungen der amerikanischen Vormachtstellung auf dem eurasischen Kontinent sind durch Turbulenzen und sporadische Gewaltausbrüche durchaus möglich.