Eine bestimmte rechte Klientel sehnt sich den Tag herbei, an dem der Liberalismus in sich zusammenbricht und die liberale Elite vom Volk abgestraft wird. Wieder andere glauben, man müsse „koalitionsfähig“ werden: Man müsse sich nur brav genug anpassen. Dabei schmähen sie die politische Theorie und Kulturpolitik. Beide Ansätze sind Ausdruck mangelnder Initiative. Sie sind inhaltlich passiv. Sie sind Ausdruck von Selbstunterschätzung und Resignation.
In Zeiten des liberalen Niedergangs braucht es rechte Pionierarbeit als Grundlage eines fundamentalen Neuanfangs. Die Neuerung muss indes keine Umkehrung jeglicher bisherigen Standards bedeuten. Eine gute Taktik kombiniert inhaltliche Schärfe mit der Sprache der Massen.
Was bedeuten die politischen Koordinaten „links“ und „rechts“ überhaupt? Die Gleichheit aller Menschen sowie der Abbau von Hierarchien sind die wesentlichen Ziele der politischen Linken. Damit einher gehen heute in der Regel Liberalismus und Modernismus. Im Gegensatz dazu vertreten politische Rechte ein elitäres und traditionelles Weltbild. Traditionell meint dabei aber keinen modernen Konservatismus. Dieser sollte eher als klassisch liberal verstanden werden, gleichwohl er nur gesellschaftspolitisch rechte oder traditionelle Ansätze vertreten mag. Wirklich rechts ist ein Weltbild beispielsweise im Sinne des italienischen Denkers Julius Evola.
Literarisch betreibt die Rechte zu oft Schwarzmalerei, ohne am Ende Licht zu stiften. Es ist richtig, die heutige Gesellschaft als verkommen darzustellen. Nur sollten genauso auch Auswege skizziert werden. Es bedarf einer rechten Utopie, einer positiven Vision der Zukunft. Gerade dafür braucht es Intellektuelle, braucht es Meister in Bild- und Sprachkunst. Ziel ist es, einen emotionalen Bezug herzustellen. Die visuelle Ebene spielt hierbei eine große Rolle. Es ist kein Problem, wenn die so erschaffene Traumwelt stilistisch übertreibt. Sie soll eine prächtige Vorstellung sein, im scharfen Kontrast zur blassen Gegenwart. Die Grenzen des Sag- und vor allem Denkbaren lassen sich auf emotionaler Ebene oft viel leichter verschieben als im argumentativ-analytischen Bereich. Den Befürwortern der politischen Anpassung ist die dafür nötige Bildgewalt hingegen oft ein Graus.
Ein Beispiel davon, wie stark Emotionen unsere Gesellschaft steuern, ist die moderne Werbetechnik. Jahrzehntelange Forschung in der Psychologie hat eine immer effektivere Beeinflussung unseres Konsumverhaltens ermöglicht. Der Konsument verbindet mit dem beworbenen Produkt eine positive Vision. Werden seine Konsumwünsche erfüllt, bekommt er einen Dopamin-Kick. Die meisten Dinge, die ein Mensch aufgrund von erfolgreicher Werbung kauft, bringen ihm jedoch keinen messbaren Vorteil. Dieses Verhalten ist nicht rational begründbar. In der Rechten glauben dennoch viele, man müsste die Mehrheit nur mit Fakten und Logik überzeugen. Sie verkennen die Irrationalität menschlichen Handelns.
Neben dem Emotionalen spielt auch das Soziale eine Rolle. Eine Idee mag noch so richtig sein; wenn die meisten sie ablehnen, werden sich nur wenige offen zu ihr bekennen. In dieser Hinsicht bildet gesellschaftlicher Druck eine effektive Hemmschwelle gegen politischen Wandel. Dies gilt insbesondere für diejenigen, welche ökonomisch vom Establishment abhängig sind. In unserer materialistischen Welt ist die politische Haltung eine Frage der eigenen Lebensverhältnisse. Für die meisten ist finanzielle Sicherheit und gesellschaftliche Achtung wichtiger als das bessere politische Argument. Solange der Rationalismus Vorrang hat, bleiben größere personelle Potentiale unangetastet. Diese Potentiale freizusetzen, ist entscheidend für den Erfolg unserer Sache.
Machen wir uns bewusst, wie einflussreich Kultur und insbesondere die Kunst sein können: Seit dem Aufkommen des Radios prägen musikalische Subkulturen ganze Generationen. Ihre Anhänger neigen dazu, sich ganz offen als Teil einer bestimmten Szene zu präsentieren. Ihre Ideale und Gewohnheiten können einen radikalen Bruch mit der Mehrheit darstellen, manchmal gar mit der eigenen Familie. Einige Bands und Rockstars haben eine weltweite Popularität erreicht. Dies alles geschieht nur durch die Kraft einer künstlerischen Ästhetik, fernab jeder Rationalität. Je mehr die Ideale solcher Musikszenen mit denen des Zeitgeists übereinstimmen, desto mehr taugen sie zum Massenphänomen. Sie können aber auch widerständige Inhalte transportieren. Junge Leute und vor allem junge Männer tendieren zum Rebellentum.
Erfolg ist eine Frage der eigenen Vermarktungsfähigkeit. Der Weg über die Ästhetik erlaubt die unterschwellige Beeinflussung einer Gruppe. Gleichwohl sie ein Zugehörigkeitsgefühl schafft, bietet ihre politische Substanz Interpretationsspielraum. Diese Strategie ist weitaus massentauglicher, als es politische Parteien sein können.