Für viele ist politische Theorie nichts weiter als heiße Luft. Nur die wenigsten können abstrakt genug denken, um aus dem Alltag tieferliegende Muster zu erkennen. Die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte sind das Resultat von Ideen und Theorien, die zum Teil 100 Jahre früher gefasst wurden. Am Anfang jeder politischen Bewegung stehen ihre Vordenker. Geprägt von einer bestimmten Moral, wird in allgemeinen Konzepten ein politisches Programm begründet. Sei es der Liberalismus mit seinem Individualismus, der Sozialismus mit seiner Gleichheit oder der Nationalismus mit seinem Partikularismus – sie alle erzählen ein auf einer bestimmten Moral basierendes Narrativ. Viele Menschen sind bei politischen Themen vor allem auf der moralischen Ebene empfänglich. Es braucht eine eigene positive moralische Begründung unseres Handelns. Auch deswegen, weil der Liberalismus mit den Rechten eine negative Moral assoziiert hat: Die Rechten seien pessimistisch, gegen die Freiheit und im Prinzip schlechte Menschen. Auf dieser Grundlage können wir nicht gewinnen. Es braucht einen Paradigmenwechsel, eine ganz andere Außenwirkung.
Der Liberalismus kombiniert in der Theorie marktwirtschaftliche und individuelle Freiheit mit dem Prinzip der Gleichheit aller Menschen, dem Egalitarismus. Im Christentum ist der Mensch das Ebenbild Gottes, somit sei jeder Mensch gleich viel wert und gleichartig. Liberale Vordenker übernahmen diese Schlussfolgerung als Kern ihrer Anthropologie. Im Streben nach Individualismus werden gesellschaftliche und religiöse Gefüge aufgelöst. Als emanzipiertes Individuum folge der liberale Mensch nur mehr seiner vor allem ökonomischen und wissenschaftlichen Vernunft.
Dort, wo man Gleichheit als Hauptziel betrachtet, gelten vor allem gruppenbasierte, aber auch ökonomische Hierarchien als Mangel. Zur Erreichung einer höheren Gleichheit können die Rechte Einzelner oder von Gruppen eingeschränkt werden. Schlussendlich dominiert seine egalitäre Strömung libertäre und marktliberale Ansätze. Solange dieses Dogma der Gleichheit vorherrscht, werden auch weiterhin alle Erkenntnisse ignoriert, die eine genetische und ethnische Unterscheidbarkeit des Menschen belegen.
Bei jeder politischen Bewegung gibt es eine hierarchische Gliederung und Arbeitsteilung: Die oberste Ebene bildet sich aus historischen und intellektuellen Vorbildern und Vordenkern. Strategen wenden deren Weisheiten auf die heutigen Bedingungen und Möglichkeiten an. Parteipolitische und außerparlamentarische Kampagnenmanager setzen Metapolitik lokal und praktisch um. Am Ende sind es Aktivisten und Medienmacher, die das Ganze „auf die Straße“ und in Umlauf bringen. Es müssen viele Bücher und Aufsätze geschrieben werden, bevor dieses vielschichtige Gebilde politische Geländegewinne erzeugt. Nicht jedes Mitglied muss derweil die ganze Theorie kennen oder gar verstehen. Grundlegende Haltungen und eigene Folklore dienen den Einzelnen als Leitfaden und unsichtbares Band.
Die Grundlagen rechter Ideale reichen bis weit in die europäische Geschichte zurück. In den letzten 200 Jahren haben viele rechte Vordenker über eine Rückbesinnung auf die Tradition geschrieben. Im heutigen Zeitgeist ist vor allem unsere moralische Begründung entscheidend, alles Weitere wird auf ihr aufbauen. Nutzen wir die Kunst und die Ästhetik, um sie zu transportieren.
Der Liberalismus befindet sich in seiner Endphase. Durch die Verschmelzung mit linksradikalen Kräften wird er zunehmend autoritär und büßt an Glaubwürdigkeit ein. Die Probleme des Multikulturalismus schüren Zweifel an seinem egalitären Menschenbild. Das kreative Potential des Erneuerers ist ihm verloren gegangen. Die Gelegenheit für eine politische und kulturelle Neuordnung liegt vor uns. Seien wir rechts, nicht konservativ. Denn Konservative verlieren. Immer.