Die Rückkehr in die Wälder

Dauer: 04:27

Das Schiff, das uns gefangen hält, ist ein Bild für die Zeit. Die Zeit trägt uns auf die hohe See hinaus, führt uns unbemerkt zur Knechtschaft, zur Katastrophe, zum Tod. In diesem Sinne ist die Zeit gleichbedeutend mit dem Nichts. Das tiefgreifende Problem, das sich dem Individuum seit jeher stellt, ist die Angst vor der Vernichtung. Das vollständige und absolute Ende des Daseins treibt den Menschen in die schlimmsten Unterwerfungen. Die Perspektive des Todes, der Schrecken, der den Menschen angesichts der Brutalität überkommt, überzeugt ihn leicht, seine persönliche Souveränität aufzugeben. Er akzeptiert es ohne Zögern, sich den servilsten Arbeiten zu widmen. Vorausgesetzt, man verspricht ihn zu verschonen.

Die Angst hat im Laufe der Zeit viele Gesichter angenommen und die Gefahr ändert sich ständig. Die Technik ist nur die zeitgenössische Ausprägung des Schreckens vor der Vernichtung.

Einmal in Angst geraten, besteht der erste Reflex oft darin, sich zu bewaffnen, um gefährlicher zu werden als das gefürchtete Objekt. Dabei bleibt man jedoch meistens ein Sklave der Angst. Waffen sind nur Werkzeuge in den Händen eines unfreien Menschen; sie machen ihn nicht frei. Was also tun, wenn das Schiff uns in die Ferne trägt und uns an sich fesselt? Man muss zu den Quellen zurückkehren: in den wilden Wald der Märchen und Legenden eindringen.

Der Wald ist der Ursprung, die primitive Quelle aller Vitalität. Er ist das Bild des Zeitlosen. Wald ist geheimnisvoll. Dieses Wort „geheim“ hat eine doppelte Bedeutung: Es bezieht sich sowohl auf das Intime, das Bekannte, das uns eigen ist, als auch auf die Verborgenheit, Heimlichkeit und Gefahr. Die Rückkehr in die Wälder ist kein romantisches Projekt von sanften Träumern. Es ist ein Programm für eine kleine Elite, die bereit ist, zu kämpfen. Der Gang in den Wald bedeutet, sich in Gefahr zu begeben, sich den wilden Tieren, den Wölfen und den Hexen der alten Geschichten zu stellen.

Der Wald ist all das, wohin uns unsere alten Mythen, Philosophien und Religionen zurückführen: Er ist die Idee, das Eine, das Absolute, das Sein. Sein meint hier nicht einfach eine passive Existenzform, wie etwa die einfache physische Realität einer Sache. Das wahre Sein ist das, was außerhalb der Zeit existiert und von dem die Zeit ausgeht. Das, was der Vernichtung, der Verkalkung, dem Verblassen widersteht. Es ist die Quelle der ständigen Erneuerung des Daseins und zeigt sich in allem Frischen und Lebendigen.

Die Angst schafft keinen Wald, sondern Wüsten. Der Ängstliche verzichtet auf seine Freiheit und Lebendigkeit. Er verzichtet auf das Bewusstsein, die Moral und den Edelmut. Er überlässt sich einem halben Leben, düster und grau, aus Angst vor der Zerstörung.

Die Menschen werden im technischen Zeitalter zum Materialismus gedrängt. Das ist die Überzeugung, dass sie nur vergängliche Körper sind und mehr nicht. Der Materialismus ist als das Werkzeug zur Umkehrung der alten Ordnung die Waffe der Despoten. Der Mensch, der sich vom Materialismus zum Nihilismus treiben ließ, hat jegliche Möglichkeit verloren, seine Angst zu überwinden.

Einige Individuen streunen durch diese Wüsten oder Landschaften mit karger Vegetation, wie sie in industriellen Zonen zu finden sind. Der intelligente Mensch, der seinen Atheismus, seinen Materialismus, sein Misstrauen gegenüber Spiritualität, Inspiration und Musen bis zum Äußersten geführt hat, hat das Ende der kollektivistischen Utopien erreicht. Mancher wird feststellen, dass ihm etwas fehlt. Das ist der Beginn einer inneren Umkehr.

Wie kann man die Angst überwinden? Man muss ihren Monolog beenden und wieder in den Dialog mit ihr treten. Die Angst ist wie der Sphinx aus der griechischen Mythologie. Er fragt das Individuum, ob es weiß, was diese Kreatur ist, die sich durch die Zeit bewegt. Angesichts der Angst muss man zeigen, dass man weiß, was ein Mensch ist und auf die Quelle unserer Menschlichkeit zurückgreifen. Durch den Glauben kann der Mensch die Gewissheit gewinnen, dass die Zeit keinen Einfluss auf sein tiefstes Sein hat. Das Kostbare, das Vitale, das Freie in ihm ist unvergänglich.

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