Ist Anthropologie gleich „Rassenkunde“?

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Die Anthropologie ist die Wissenschaft vom Menschen und seiner Abstammung. Im frühen 20. Jahrhundert etablierte der US-Anthropologe Franz Boas sie als Universitätswissenschaft. Boas lehnte es ab, von einer unterschiedlichen Wertigkeit der Rassen und Kulturen auszugehen. Er ist Begründer des Kulturrelativismus. Alle Kulturmerkmale seien laut ihm zufällig entstanden. Der Mensch sei nicht durch seine Genetik und Abstammung, sondern nur durch sein soziales Milieu geprägt.

Boas leugnete noch nicht die Existenz biologischer Rassen, hielt sie aber für irrelevant. So bestritt er etwa psychische Unterschiede. Er ging davon aus, dass sogar die Schädelgröße eines Menschen durch das soziale Milieu verändert werden könne. Viele von Boas Schlussfolgerungen sind mittlerweile widerlegt. Seine Arbeit gilt dennoch bis heute als Beweis für die Formbarkeit des Menschen durch seine Umwelt.

Die meisten Vertreter seiner Schule setzten sich aus ethnischen oder sexuellen Minderheiten zusammen. Viele kamen, wie Boas, während des Zweiten Weltkrieges als jüdische Emigranten in die USA. Unter diesen Umständen war die eigene Kultur für sie negativ besetzt. Herkunft war kein Bestandteil der eigenen Identität, sondern etwas, von dem man sich bedroht fühlte. Rassismus wurde in Form von Antisemitismus als persönliche Kränkung erlebt. Die Feindseligkeit der heutigen Linken gegenüber der eigenen Kultur hat hier ihren Ursprung.

Vertreter der Boas-Schule waren einflussreich bis in die 70er Jahre hinein. Boas förderte nur Schüler, die seine Meinung teilten. Sie hatten aufgrund ihrer Erfahrungen mit dem Nationalsozialismus ein persönliches Interesse daran, mit ihrer Forschung Rassengleichheit zu beweisen. Die Überzeugung von der beliebigen Formbarkeit der Gesellschaft war von Anfang an ideologisch motiviert und unwissenschaftlich. Boas war Mitglied zahlreicher kommunistischer Organisationen. Er unterstellte seine Arbeit offen dem Zweck des marxistischen Aktivismus.

Viele Vereinigungen von Minderheiten unterstützten Boas Forschungsprojekte. Von anderen Organisationen wurde die radikale Entwertung des Rassenbegriffs zunächst nicht ernst genommen. Vor dem Hintergrund des Nationalsozialismus wagte aber niemand mehr, Rassenunterschiede anzusprechen. Anthropologen wollten sich von nun an maximal von nationalsozialistischem Gedankengut abgrenzen.

Schüler von Franz Boas, wie Margaret Mead und Ashley Montagu, trieben in den folgenden Jahren die Tabuisierung des Rassenbegriffs voran. Ihre Ansichten hatten großen Einfluss auf die Kultur- und Sozialwissenschaften. Montagu war 1950 für eine UNESCO-Resolution gegen Rassismus verantwortlich. In dieser behauptete er, Rasse sei in erster Linie ein gesellschaftlicher Mythos. Menschengruppen würden sich in keinen angeborenen Fähigkeiten unterscheiden. Der Begriff der Rasse solle deshalb durch „ethnische Gruppe“ ersetzt werden.

Schon damals sprachen aber zahlreiche wissenschaftliche Befunde für körperliche und psychische Rassenunterschiede. So war etwa die Vererbung der Intelligenz aus Zwillingsstudien bekannt. In den Folgejahren wurden Fragen der Genetik und Evolutionspsychologie aus der Anthropologie ausgeschlossen. Viele Studien waren spekulativ und unwissenschaftlich. Weitere Forschung zur Vererbung psychischer Eigenschaften wurde beiseite gedrängt.

Mit Boas Anthropologie hat die politische Linke dem aufklärerischen Ideal der Wissenschaftlichkeit abgeschworen. Kulturrelativismus, Toleranz und Antirassismus prägen das Selbstverständnis aller westeuropäischen Universitäten. Universelle Gleichheit ist zentraler Bestandteil des modernen linken Weltbildes. Es gibt im Menschen jedoch keinen natürlichen Drang, nach der Gleichheit aller zu streben. Angeboren ist nur eine Familien- und Stammesmoral, die das Eigene bewahren will.

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