Die Zeitpräferenz bildet eine Grundlage menschlichen Handelns. Sie beschreibt die Neigung, Güter in der Gegenwart gegenüber Gütern in der Zukunft zu bevorzugen. Dieser Hang ist bei allen Menschen vorhanden, variiert jedoch individuell. Menschen mit niedrigerer Zeitpräferenz sind bereit, auf gegenwärtigen Konsum zu verzichten, um langfristig höhere Erträge zu erzielen. Die Fähigkeit zur langfristigen Planung ist ein Faktor für Wohlstand und Fortschritt.
Eine niedrige Zeitpräferenz ermöglicht es, Ressourcen effizient zu nutzen und Produktionsstrukturen aufzubauen. Gesellschaften mit einem niedrigen Zeitpräferenzniveau zeichnen sich durch stabile Institutionen, eine hohe Sparquote und nachhaltige Investitionen aus.
Verschiedene Faktoren beeinflussen die Zeitpräferenz. Zu den externen Einflüssen gehören beispielsweise Naturereignisse, die den Fokus auf kurzfristige oder langfristige Bedürfnisse lenken. Biologisch gesehen haben Kinder eine hohe Zeitpräferenz, die im Laufe ihrer Entwicklung sinkt. Gesellschaftliche Stabilität und der Schutz von Eigentum senken die Zeitpräferenz, da sie die Sicherheit langfristiger Investitionen erhöhen.
Auch Regierungen beeinflussen die Zeitpräferenz. Maßnahmen wie Besteuerung oder Umverteilung schaffen Unsicherheit. Die Menschen erhöhen ihre Zeitpräferenz, da langfristige Planungen und Investitionen weniger attraktiv werden.
Der Prozess der De-Zivilisierung beginnt, wenn die Zeitpräferenz einer Gesellschaft steigt. Kurzfristiges Denken gewinnt die Oberhand, langfristige Investitionen und kulturelle Errungenschaften werden vernachlässigt. Politische Maßnahmen, welche die Eigentumssicherheit mindern, beschleunigen den Prozess und gefährden die zivilisatorischen Grundlagen. Dies äußert sich in sozialer Instabilität, wirtschaftlichem Niedergang und einem Rückgang von Kultur und Wohlstand.
Die Zeitpräferenz steht somit im Zentrum der zivilisatorischen Entwicklung. Regierungen haben die Verantwortung, stabile Rahmenbedingungen zu schaffen, um langfristiges Denken zu fördern und die De-Zivilisierung zu verhindern.