Wie an einem Nasenring wird das deutsche Volk vorgeführt. Die „Vergangenheitsbewältigung“ ist ein Trugschluss. Mohlers Analyse kritisiert deren ritualisierte Formen als politische Ersatzhandlung und entlarvt sie als identitätsstiftende Ersatzreligion. Mit scharfer Beobachtungsgabe schildert er die Medialisierung, Emotionalisierung und Instrumentalisierung der „Erinnerungskultur“. Statt differenzierter Aufarbeitung herrscht ein moralisches Theater, das die angebrachte historische Komplexität zugunsten einfacher Narrative opfert. Das war schon Anfang der 90er so!
Der Schweizer Armin Mohler (1920–2003) war von 1949 bis 1953 Privatsekretär des konservativ-revolutionären Schriftstellers Ernst Jünger. Mit seiner Dissertation aus Basel „Die Konservative Revolution in Deutschland – Grundzüge ihrer Weltanschauung“ schuf er 1949 sein Hauptwerk. Dieses ist eine wichtige und ergiebige Quelle rechter Denkansätze und bis heute maßgeblich. In weiteren Büchern kritisierte er den Liberalismus und forderte einen Schlussstrich unter die deutsche Vergangenheitsbewältigung. Neben seiner publizistischen Tätigkeit für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften arbeitete er zeitweise als Redenschreiber für den CSU-Politiker Franz Josef Strauß und bei der Siemens-Stiftung.
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