Ware, Geld und Kapital

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Eine sinnvolle Kapitalismusanalyse muss mit der Definition der „Ware“ beginnen. Eine Ware hat zwei grundlegende Eigenschaften: den Gebrauchswert und den Wert. Der Gebrauchswert bezieht sich auf den Nutzen, den ein Gegenstand für den Konsumenten hat. Er ist qualitativ und konkret, beispielsweise die Fähigkeit eines Stuhls, als Sitzgelegenheit zu dienen. Der Wert hingegen ist eine abstrakte, soziale Eigenschaft. Er drückt die in der Ware enthaltene gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit aus: die Zeit, die durchschnittlich benötigt wird, um die Ware unter normalen Bedingungen herzustellen. Der Wert bildet die Grundlage für den Tauschwert, der das Verhältnis darstellt, in dem Waren gegeneinander ausgetauscht werden.

Der Wert einer Ware wird durch Arbeit geschaffen. Es ist immer und nur die menschliche Arbeit, die unterschiedliche Waren vergleichbar macht. Sie stellt die Waren also einerseits zur Verfügung, andererseits gibt sie ihnen ihren Wert. Dieser „Doppelcharakter“ der Arbeit – als konkrete und abstrakte Arbeit – ist bestimmend für den gesamten Kapitalismus.

Der Tauschwert, der sich aus dem Wert ableitet, ist die Art und Weise, wie Waren im Austausch miteinander in Beziehung gesetzt werden. Die Form eines Wertes unterliegt dabei einer Entwicklung: In der einfachsten Wertform wird eine Ware mit einer anderen direkt verglichen (z. B. 1 Axt = 5 Äpfel). Daraus ergibt sich die entfaltete Wertform, bei der eine Ware mit vielen anderen Waren verglichen wird (z. B. 1 Axt = 5 Äpfel = 1 Kleid); und schließlich die allgemeine Wertform: Eine Ware wird als allgemeines Äquivalent akzeptiert, um den Austausch zu erleichtern. Die Entwicklung der Wertformen mündet in der Geldform: Gold oder Silber wird als universelles Tauschmittel angesehen und als Geld benutzt.

Das Geld wird so zum Maßstab aller Werte und gleichzeitig zum Mittel des Austauschs. Es repräsentiert die in den Waren enthaltene Arbeit in abstrakter Form. Geld kann nicht nur als technisches Hilfsmittel verstanden werden, sondern hat eine immense gesellschaftliche Bedeutung. Es symbolisiert und reproduziert die Beziehungen der kapitalistischen Produktion. Denn im Kapitalismus erscheinen sogar gesellschaftliche Beziehungen in Warenform. Dies ist der Fetischcharakter der Ware: Obwohl der Wert einer Ware durch die menschliche Arbeit entsteht, erscheint er den Menschen so, als sei er eine natürliche Eigenschaft der Dinge. Im Kapitalismus glauben die Menschen, eine Banane sei nicht nur gelb, sondern habe überdies immer und automatisch von Natur aus bereits einen Wert. Durch dieses Trugbild kann sich der Kapitalismus auf immer mehr gesellschaftliche Bereiche ausdehnen. Die Menschen glauben, man könne ihren scheinbar inhärenten Wert vermarkten.

Dieser Fetischismus verdeckt die wahren Produktionsverhältnisse und schafft die Illusion, dass Waren unabhängig von den Arbeitern existieren, die sie herstellen. Dadurch werden die sozialen Beziehungen zwischen Kapitalisten und Arbeitern verschleiert. Das kapitalistische System erscheint als etwas Natürliches und Unveränderliches. Dabei ist es nur die jüngste Stufe eines in Zukunft weiter fortschreitenden Entwicklungsprozesses.

Die Zirkulation von Waren und Geld hat den Übergang vom einfachen Warenhandel zur kapitalistischen Produktion ermöglicht. Im einfachen Warenhandel verkauft jemand eine Ware, um das erhaltene Geld für eine andere Ware auszugeben. Man tauscht zum Beispiel einen Apfel gegen Geld und das Geld gegen Brot. Oder allgemein: Ware–Geld–Ware. Der Zweck des Handels ist hier der Konsum. Im Kapitalismus wird das Prinzip umgekehrt. Geld wird eingesetzt, um Waren zu kaufen, die dann wieder verkauft werden; mit dem Ziel, mehr Geld zu generieren. Die Tauschreihenfolge lautet plötzlich: Geld–Ware–Geld. Der Unterschied zwischen dem ursprünglich eingesetzten Geld und dem zurückerhaltenen Geld ist der Mehrwert, der Kern des kapitalistischen Systems.

Die Warenzirkulation allein kann den Ursprung des Mehrwerts nicht erklären. Der Mehrwert kann nicht aus dem reinen Austausch entstehen, da dieser per Definition auf Gleichwertigkeit basiert: gleichwertige Waren oder Geld werden getauscht. Es muss also eine spezifische Ware geben, deren Konsum mehr Wert schafft, als sie selbst kostet. Diese Ware ist die Arbeitskraft.

Die Arbeitskraft wird zur Ware, die der Kapitalist kauft, um sie produktiv einzusetzen. Sie hat die besondere Eigenschaft, mehr Wert zu erzeugen, als zu ihrer Reproduktion nötig ist. Der Wert, den ein Arbeiter bei der Ausübung seiner Tätigkeit schafft, ist also höher als der Lohn, den er erhält. Hier liegt der Ursprung des Mehrwerts und damit die Grundlage der kapitalistischen Produktion.

Die bisher eingeführten Begriffe Ware, Wert und Geld bilden das Fundament der ökonomischen Theorie. Aus ihnen schafft die Arbeitskraft den Mehrwert. Die Ware ist die „Keimzelle“ des Kapitalismus. Sie hat eine doppelte Natur als Gebrauchswert und Wert; Quelle des Werts ist die Arbeit. Die Entwicklung Wertformen führt zur zentralen Rolle des Geldes, das im Kapitalismus den Tauschwert dominiert und zur Basis der kapitalistischen Akkumulation wird. Durch das Verständnis der Arbeitskraft als besondere Ware wird deutlich, wie der Kapitalist aus dem Produktionsprozess Profit zieht. Das Geld wird zum Kapital. Diese Erkenntnis legt die Grundlage für weitere Analysen der kapitalistischen Produktionsweise.

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