Akkumulation des Kapitals

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Bei der einfachen Reproduktion verwendet der Kapitalist den Mehrwert, der im Produktionsprozess vom Arbeiter generiert wurde, um seinen Konsum zu finanzieren. Dabei bleibt die gesellschaftliche Struktur unverändert: Der Kapitalist bleibt Eigentümer der Produktionsmittel, während der Arbeiter weiterhin nur seine Arbeitskraft besitzt. Durch die ständige Wiederholung dieses Prozesses wird die Abhängigkeit des Arbeiters vom Kapitalisten fortlaufend reproduziert.

Der Arbeiter erschafft durch seine Arbeit nicht nur Gebrauchswerte, sondern auch den gesellschaftlichen Wohlstand, der den Kapitalisten reicher und mächtiger macht. Der Kapitalismus ist also darauf angewiesen, dass die bestehenden Klassenverhältnisse erhalten bleiben.

In der erweiterten Reproduktion wird der generierte Mehrwert nicht vollständig konsumiert, sondern teilweise reinvestiert, um neues Kapital zu schaffen. Dies führt zur Akkumulation des Kapitals. Kapitalismus basiert auf der ständigen Vergrößerung des Kapitals durch die Reinvestition von Mehrwert in die Produktionsmittel und die Arbeitskraft.

Die Akkumulation ist ein selbstverstärkender Prozess: Mehr Kapital führt zu mehr Produktion, was wiederum mehr Mehrwert erzeugt, der reinvestiert werden kann. Diese Dynamik verstärkt jedoch die sozialen Ungleichheiten, da der Reichtum auf der Seite der Kapitalisten wächst, während die Abhängigkeit und Armut auf der anderen Seite der Arbeiterklasse zunehmen. Die dialektische Spannung des Klassengegensatzes vergrößert sich. Der Kapitalismus schafft letztlich die Bedingungen für seine eigene Aufhebung. Dann nämlich, wenn der Klassengegensatz so groß wird, dass das ausgebeutete Proletariat die Revolution durchführt und die Kapitalisten vom Thron stürzt.

Das allgemeine Gesetz der kapitalistischen Akkumulation beschreibt die Folgen dieses Prozesses. Mit wachsender Kapitalakkumulation wächst auch der Druck auf die Arbeiterklasse. Der Kapitalist sucht stets nach Möglichkeiten, die Produktivität zu steigern und Kosten zu senken. Dies führt zur Konzentration des Kapitals: Wenige Kapitalisten kontrollieren einen immer größeren Teil der Produktionsmittel. Dabei kommt es zur relativen Verelendung der Arbeiterklasse: Obwohl die Produktivität steigt, bleibt der Anteil der Arbeiter am gesellschaftlichen Reichtum gering oder schrumpft sogar. Der technologische Fortschritt und die Rationalisierung der Produktion schaffen eine „Reservearmee der Arbeitslosen“. Diese hält die Löhne niedrig und zwingt die Arbeiter zu größerer Anpassungsbereitschaft.

Aber wie kam es anfänglich dazu, dass überhaupt einige wenige zu Kapitalisten wurden, während die große Masse nichts weiter verkaufen konnte als nur ihre Arbeitskraft? Die ursprüngliche Akkumulation wird in der bürgerlichen Ökonomie als mythischer Akt dargestellt, bei dem fleißige Kapitalisten Vermögen ansammelten, während faule Arbeiter lieber kein Risiko eingehen wollten. Doch diese Darstellung entspringt der kapitalistischen Ideologie der Bourgeoisie. In Wahrheit geschah die ursprüngliche Kapitalakkumulation durch Gewalt, Enteignung und Ausbeutung.

Die kapitalistischen Produktionsverhältnisse entstanden durch die Enteignung der bäuerlichen Produzenten. Im späten Mittelalter wurde das Gemeindeeigentum der Bauern privatisiert, was dazu führte, dass sie ihr Land verloren. Diese Menschen wurden in die Städte gedrängt, wo sie als lohnabhängige Arbeiter ihre Arbeitskraft verkaufen mussten, um zu überleben.

Die gewaltsame Expropriation oder Ausbeutung war notwendig, um den Kapitalismus zu etablieren: Sie schuf sowohl die Klasse der Besitzlosen, die ihre Arbeitskraft verkaufen müssen, als auch die der Kapitalisten, welche die Produktionsmittel kontrollieren.

Die ursprüngliche Akkumulation wurde auch durch den Kolonialismus und die Sklaverei vorangetrieben. Die Ausbeutung der Kolonien, der Sklavenhandel und die systematische Plünderung von Ressourcen trugen wesentlich zur Entstehung des Kapitals bei. Beispiele sind die Vernichtung der amerikanischen Indianer, die Ausbeutung Afrikas durch den Sklavenhandel oder die Ausplünderung Indiens und Chinas. Diese globalen Umverteilungen führten dazu, dass Europa enorme Reichtümer anhäufte, die als Kapital in die Produktion flossen.

Gewalt spielt eine zentrale Rolle in der Entwicklung des Kapitalismus. Der Staat unterstützte diese Prozesse aktiv, indem er Gesetze erließ, die die Enteignung der Bauern und die Disziplinierung der Arbeiterklasse ermöglichten. Die Schaffung eines rechtlichen Rahmens für den Kapitalismus war keine friedliche Entwicklung, sondern Ergebnis systematischer Unterdrückung.

Die Kapitalakkumulation stabilisiert die kapitalistischen Produktionsverhältnisse. Durch die Reinvestition von Mehrwert und die Steigerung der Produktivität entstehen soziale Widersprüche, die den Kapitalismus irgendwann instabil machen werden. Wird der dialektische Widerspruch von Arbeit und Kapital groß genug, kommt es zur proletarischen Revolution. Damit wird die historische Entwicklungsstufe der kapitalistischen Produktionsweise enden, die mit der ursprünglichen Akkumulation begonnen hatte. Dieser Prozess, bei dem die Gesellschaft erstmals in Arbeiter und Kapitalisten aufgespalten wurde, fußte auf Gewalt und systematischer Enteignung. Der Kapitalismus ist weder natürlich noch gerecht, sondern lediglich die Konsequenz von Ausbeutung und Zwang.

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