Ordnung im Chaos

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„Das Buch der Natur ist in der Sprache der Mathematik geschrieben“, formulierte Galilei poetisch und tatsächlich findet man erstaunliche Beispiele, die seinen Satz bestätigen. Natürliche Formen, wie Algen, Blätter oder Bäume zeigen Eigenschaften fraktaler Geometrien. Die Verhältnisse im Gehäuseinneren von Meeresschnecken entsprechen exakt der Fibonacci-Reihe, in der jede Zahl die Summe der beiden Vorhergegangenen ist. Sogar das Hintergrundrauschen in Telefonleitungen folgt einem Muster, wie Benoît Mandelbrot herausfand.

Noch eindrucksvoller zeigt der sogenannte Lorenz-Attraktor, dass hinter scheinbar chaotischen Phänomenen eine wundervolle Ordnung liegt. Grundlage für Lorenz‘ Entdeckung waren die bis dahin unvorhersagbaren Bewegungen des chaotischen Wasserrads, welches entworfen wurde, um bestimmte Aspekte der Chaostheorie zu veranschaulichen. Die mechanische Konstruktion dreht sich je nach Wasserzulauf unvorhersehbar mal in diese, mal in jene Richtung. Lorenz konnte die Bewegung mithilfe dreier Differentialgleichungen mathematisch beschreiben, deren Ergebnisse zeigten jedoch ebenso wenig ein erkennbares Muster. Erst als er die Ergebnisse in ein dreidimensionales Koordinatensystem übertrug, offenbarte sich ein rhythmisches Muster von Schleifen, die sich wie die Flügel eines Schmetterlings ausbreiten.

Dem rationalen Verstand sind diese feinsinnigen Muster nicht zugänglich. Wir können aber lernen sie zu erspüren. Wir können wieder Zugang finden zu den Prinzipien, auf denen der kreative Prozess des Lebens aufbaut. Die Erkenntnisse aus Chaostheorie, fraktaler Geometrie und Quantenphysik eröffnen dabei einen neuen Denkraum, der uns helfen kann, aus der Begrenztheit des mechanistischen Weltbildes auszubrechen.