Die Grenzen der Erkenntnis

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Sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, aus eigenen Beobachtungen die Gesetzmäßigkeiten des Universums zu erkennen, zu berechnen und vorherzusagen, war die Motivation großer Denker und Forscher wie Galilei, Newton oder Kant. Sie ließen sich trotz Widerständen nicht länger von religiösen Dogmen leiten, sondern beobachteten unvoreingenommen die Phänomene der Natur.

Mit einem Mal schien die Welt beherrschbar. Der Mensch war nicht länger den Bedingungen einer feindlichen Welt ausgeliefert, sondern konnte sich kraft seiner Erkenntnisfähigkeit von den Leiden befreien und wurde zum Herrn seines Schicksals.

Unterschiedlichste wissenschaftliche Disziplinen brachten über Jahrhunderte eine Fülle an Erkenntnissen hervor. Die Erfindung technischer Apparate und Messgeräte erschloss immer neue Wissensgebiete, bis man zu Beginn des 20. Jahrhunderts an die Grenzen des Messbaren stieß: Je genauer man die Position eines Elementarteilchens bestimmte, desto weniger genau konnte man dessen Impuls feststellen und umgekehrt. Das ist Heisenbergs Unschärferelation. Ein anderer Atomphysiker, Niels Bohr, resümierte, dass die letzte Schwelle zur Durchdringung der Geheimnisse des Universums nur in der Sprache der Poesie überschritten werden könne.

Jüngere Forschungen im Bereich der Chaostheorie und der fraktalen Geometrie lassen im Universum ein Ziel und einen Willen erkennen – eine Dimension, die sich einem bloß mechanistischem Denken nicht erschließt.

Die Aufklärung war angetreten, mit dem Licht des Verstandes die Geheimnisse der Natur und des Universums zu durchdringen, um eine bessere Welt für alle zu erschaffen. So sehr die Hohepriester religiöser Dogmen die Aufklärung in ihren Anfängen bekämpften, so sehr wurde sie nach und nach selbst zum dominanten Dogma und damit zum Instrument von Ideologie und Manipulation.