Mind over Matter

Dauer: 02:26

Obwohl gemeinhin anerkannt ist, dass die Psyche einen wesentlichen Einfluss auf Gesundheit und Wohlbefinden hat, geht man im mechanistischen Weltbild immer noch davon aus, dass seelische Regungen nichts weiter sind als biochemische Abläufe, die irgendwann vollständig entschlüsselt sein werden. Jede Depression ließe sich dann mit dem entsprechenden biochemischen Medikament erfolgreich behandeln, jede Neurose beseitigen.

Aus der materialistischen Perspektive bilden die Wissenschaften eine hierarchische Ordnung, deren Fundament die Physik ist. Darauf aufbauend folgen Chemie, Biologie, Physiologie, Psychologie, und schließlich Ökonomie, Politik und Soziologie.

Mit den Erkenntnissen der Quantenphysik ist dieses Schema überholt. Anstatt alle Phänomene auf die materielle Ebene, die Physik, zurückzuführen, müssen wir viel eher davon ausgehen, dass sich die Wissenschaftsgebiete in einer zirkulären Kausalität wechselseitig beeinflussen.

Das materielle Welterklärungsmodell stößt dort an seine Grenze, wo es um die Erforschung des Bewusstseins geht. Dieses lässt sich nicht mal konkret lokalisieren. Es gibt gut dokumentierte Fälle von Personen, deren Gehirngewebe fast völlig abgestorben war, die aber an keinerlei Beeinträchtigung ihrer Denkleistung litten. Das Gehirn scheint also in einem viel höheren Maße zur Selbstreorganisation fähig zu sein als bisher angenommen.

Dass Angst und Stress unsere Immunität verringern, ist mittlerweile hinlänglich bekannt. Zu welch extremen Auswirkungen die menschliche Einbildungskraft führen kann, zeigen uns zahlreiche Berichte von psychogenem Tod in primitiven Gesellschaften. Spricht ein Schamane über ein Stammesmitglied einen Todesfluch aus, so zieht sich der mit dem Fluch Behaftete völlig aus der Gemeinschaft zurück und verstirbt innerhalb weniger Tage.

Umgekehrt werden an der Uniklinik Lüttich, seit vielen Jahren Operationen ohne Narkose durchgeführt. Die Anästhesisten begleiten die Patienten mit ruhiger Stimme in eine tiefe Entspannung, bevor der Chirurg beginnt, seine Schnitte zu setzen. Auch der Placebo- und Nocebo-Effekt belegen auf breiter Basis die erstaunlichen Auswirkungen innerer Überzeugungen auf unsere Gesundheit.

Es gehört zur grundlegenden Aufgabe der Wissenschaft, die Zusammenhänge zwischen Bewusstsein und Sein tiefer zu erforschen, ohne dabei in Aberglauben und Esoterik zu verfallen.