Bei der Massenbildung geht die individuelle Seele völlig im Kollektiv auf und verliert die Fähigkeit zur kritischen Reflexion. Dieses Phänomen der ist so alt wie die Menschheit selbst. Historische Beispiele sind etwa die Tanzwut von Straßburg 1518, die Pogrome der Bartholomäusnacht 1572, die Französische Revolution 1789 und die gigantischen Massen, die sich in Faschismus und Kommunismus bildeten.
Gustave Le Bon gilt als Begründer der Massenpsychologie. Mit seinem Hauptwerk Psychologie der Massen warnte er bereits 1895, dass die Massen die Gesellschaft bestimmen werden und eine neue Staatsform entstehen könnte. Die Geschichte hat bestätigt, dass seine These richtig war.
Vier Hauptfaktoren begünstigen die Bildung eines Massenbewusstseins: Die erste Voraussetzung ist die soziale Atomisierung der Individuen einer Gesellschaft. Vereinsamung, Kontaktlosigkeit und Entwurzelung führt zu einem Mangel an Sinngebung, dem zweiten Faktor. Drittens empfinden Menschen, die isoliert und ohne tieferen Sinn leben, eine nicht genau definierte Angst im Leben, was viertens zu Frustration und latenter Aggression führt.
Wird nun ein Objekt der Angst konkret benannt, beispielsweise ein Coronavirus, dann formiert sich das Kollektivbewusstsein im gemeinsamen Kampf gegen das Angstobjekt. Die vereinzelten Individuen erfahren plötzlich Verbundenheit, ihr Tun bekommt Richtung und Zweck. Sie denken und handeln in einem hypnotischen Rausch, unfähig dissidente Stimmen überhaupt zu hören. Eine zentrale Rolle kommt dabei den Massenmedien zu. Sie halten durch suggestive Wiederholung eine dominante Erzählung aufrecht.
Erstaunlich ist immer wieder die kaltblütige Empathielosigkeit, mit der die Masse Abweichler verfolgt. In devotem Gehorsam rechtfertigt sie brutale Handlungen, als wären sie eine heilige Pflicht.